Bemerkenswerte Pflanzen in der Ackerbauschule (75)

Eine Hagebuttenbirne… das hört sich seltsam an, und ist tatsächlich auch selten. Und dies, obwohl der Baum schon seit 400 Jahren bekannt ist, denn die erste Erwähnung von Jean Bauhin, einem Schweizer Botaniker, gab es bereits 1619 in seinem Werk Historiæ plantarum generalis.

Es war die Baumschule Baumann in Bollwyler im Elsass, die schon früh die Hagebuttenbirne kultivierte. Die einst weit bekannte, leider nicht mehr existierende Baumschule, die u. a. durch die Apfelsorte ´Baumanns Renette´ und die wohlschmeckende Haselnusssorte ´Wunder von Bollweiler´ bekannt wurde, kultivierte zahlreiche Raritäten.

So auch unsere „Hagebuttenbirne“, die mit Hagebutten oder Rosen aber nichts zu tun hat – mit einer Birne schon: es handelt sich bei X Sorbopyrus auricularis um eine der seltenen Gattungshybriden, d.h. einer Hybride aus zwei unterschiedlichen Gattungen. In diesem Fall aus der Kreuzung einer Mehlbeere (Sorbus aria) mit einer Birne (Pyrus communis).

Am auffälligsten sind wohl die Früchte, die in manchen Jahren, so wie in diesem Jahr 2016, sehr zahlreich gebildet werden. Sie sind von gelber Grundfärbung mit roter Seite, und haben etwa die Größe von Hagebutten, und auch etwas vom Aussehen von diesen. Wenn sie reif sind, etwa Mitte Oktober, dann sind sie von fein süß-säuerlichem Geschmack; zum Rohverzehr sind sie allerdings zu klein.

Da sie aber praktisch keine Samen enthalten, kann man sie im Ganzen in zuckerhaltigem Aufguss einmachen. Als Dessert eignen sie sich ganz wunderbar – Gäste werden wohl kaum erraten, um welche Frucht es sich handelt.

Der Baum selbst bleibt recht klein, über 5 Meter große Exemplare sieht man äußerst selten. Da so gut keine Samen ausgebildet werden, muss die Hagebuttenbirne durch Veredlung vermehrt werden – in der Ackerbauschule vermehren wir sie auf Weißdorn-Unterlagen. Diese Verbindung ist sehr dauerhaft. Man kennt älteste Bäume mit einem Alter von über 150 Jahren.

Die Blätter erinnern (auch dies ist seltsam) an das Laub von Äpfeln, ebenso wie die Blüten an diejenigen vom Apfel erinnern – zur Blütezeit ist der kleine Baum ebenso sehr hübsch. Wer das Besondere mag und Spaß an der Zubereitung von Gelees oder Kompotts mit seltenen Früchten hat, sollte sich die Hagebuttenbirne pflanzen. Sie stellt keine großen Standortansprüche. Wo Birnen wachsen, dort gedeiht auch dieser wunderbare kleine Baum.

Text und Fotos: Eike Jablonski, LTA

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