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… ach wie gut, dass Niemand weiß, dass ich … tja, wie heißt der Kerzenknöterich denn nun eigentlich? Darüber sind sich selbst die Botaniker nicht ganz im Klaren und ändern in regelmäßigen Abständen den Namen des Knöterichs. Der Kerzenknöterich wurde früher unter Bistorta amplexicaulis oder Polygonum amplexicaule gehandelt. Heute taucht er als Persicaria amlexicaulis auf.

Dieses Jahr habe ich beim Staudengärtner meines Vertrauens Kerzenknöterich erstanden. Die Nachbarskinder kennen meine Marotten und haben mir ganz gespannt beim Auspacken zugeschaut. Als der Knöterich den Versandkarton verlassen hatte, ließ eine Reaktion nicht lange auf sich warten. Normalerweise ertönt ein „ohhhhhh“, „ahhhhhhh“ oder ein „meine Mama hat das auch im Garten“. Aber diesmal kam nur ein enttäuschtes „was hast du denn da gekauft? Sowas reiße ich aus, das ist ja Unkraut.“ Ich weiß nicht worüber ich mehr gestaunt habe. Dass der Lausbub meinen Pflanzengeschmack in Frage stellt. Oder dass er erkannt hat, dass es mit dem Ampfer-Knöterich tatsächlich ein Unkraut gibt, das ähnlich aussieht und mit dem Kerzenknöterich verwandt ist.

Dabei gibt es nur Positives über den Knöterich zu berichten. Seit ein paar Jahren mischt er kräftig in der modernen Gartengestaltung mit.

Er passt hervorragend zu Gräsern, ist pflegeleicht und blüht bis spät in den September hinein. Manche Sorte blüht sogar bis zum Frost. Darüber hinaus wächst er recht schnell, sodass die Beete geschwind von einer Pflanzendecke geschlossen sind. Was will man mehr als Gärtner? Farbe natürlich. Aber damit kann der Knöterich nicht dienen. Die Farbpalette der Blüte ist recht beschaulich und verläuft von weiß über rosa bis rot.

Die kleinen Blüten sind in Scheinähren zusammengefasst. Diese überragen den dichten Blätterhorst und wirken dadurch recht filigran. Die Blätter umfassen den Stängel und können sich, je nach Sorte im Herbst gelb verfärben.

Am liebsten hat der Kerzenknöterich nährstoffreiche, frische bis feuchte Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Allerdings sollte man vorsichtig sein, die Bezeichnung „raschwüchsig“ kann im „Gärtnerlatein“ ein Synonym für „Wuchern“ sein. Weswegen man den Knöterich im Auge behalten sollte und nicht zu schwache, langsam wüchsige Pflanznachbarn zu ihm gesellen.

Pflanzt man „wuchsfreudige“ Arten an Stellen, wo sich andere Pflanzen eher schwer tun, so hat dies den Vorteil, dass die ungünstigeren Lagen schön zuwachsen und die „Wucherkandidaten“ ohne viel Arbeit im Zaum gehalten werden.

Obwohl der Kerzenknöterich teilweise als „Unkraut“ beschimpft wird, so ist es doch eine sehr zuverlässige, langlebige und langblühende Pflanze, die nicht enttäuscht. Bei den Gärtnern und Landschaftsarchitekten liegt der Kerzenknöterich voll im Trend. Lange wird es nicht mehr dauern, bis diese Modepflanze auch vermehrt in den privaten Gärten zu finden ist.

Dipl. Ing. der Landschaftsarchitektur

Nadine Weirich

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