Über das letzte Jahrzehnt ist der Trend zu erkennen bei dem sich Leute
pseudojapanische Gärten anlegen und große „Bonsai“ in diese planzen.
Betrachtet man aber dieses Tun einmal nüchtern und aufmerksam, stellen
sich dem fachlich Gesinnten ein paar Fragen.
Ist ein Bonsai nicht eigentlich ein „kleiner Baum“ in einer Schale?
Und wieso kann man in unserer Region fast keine Niwaki kaufen?

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Wäre es nicht an der Zeit den Tellerrand der
Luxemburger Insel zu überblicken und
selbstbewusst und entschlossen das Kind
beim Namen zu nennen?
Bonsai, die vom chinesischen Penjing
abgeleitete japanische Pflanzengestaltungskunst,
die auf „kleinen“ Gehölzen in Schalen
basiert und Niwaki die japanischen „Form“-
Gehölze der japanischen Gartenanlagen.
Diese doch teils unterschiedlichen
Produkte werden oft alle achtlos als Bonsai
ver- und gekauft und ohne zu wissen wie
man damit umgeht.
Ein Bonsai ist keine Baumart, die von
Natur aus „wie besoffen“ wächst, sondern ist
ein vom Menschen in Perfektion gestaltetes
normales Gehölz, welche nach gewissen
Gestaltungs regeln und Techniken zu ihrem
Aussehen gelangt.
Man unterscheidet bei Bonsai zwei
„Arten“: die Indoor- und die Outdoorbonsai.
Deren Unterschied liegt nur in deren
klimatischen Verträglichkeit.
Outdoorbonsai sind also Pflanzen in
einer Schale, die das ganze Jahr unser
Klima draußen vertragen und auch
brauchen. Technik sei Dank gibt es in
unserem Jahrhundert schon verglaste
Fenster die einen Blick auf die Außenwelt
ermöglichen und die Schönheit der
Outdoorbonsai so auch ins Haus lassen.

Wer also Eiche rustikal im Innenbereich
will, soll sich auf Internetversteigerungsportalen
das entsprechende Möbel ergattern.
Doch heimische Eichen als Bonsai, dem
Außenbereich vorbehalten.
Indoorbonsai hingegen verweilen durch
ihr Klimahandicap während den kälteren
Perioden des Jahres im Schutze des Hauses
und kämpfen dort mit trockener Luft und
Lichtmangel. Man sollte sich immer bewusst
sein, dass man einen Baum ins Haus stellt
und wie dessen Ansprüche kennen.
Niwaki hingegen werden eher seltener
bis gar nicht in Outdoor und Indoorpflanzen
geteilt. Äußerst selten legen Leute ganze
Gärten und Landschaften im Innenbereich
an wie der Fabrikbesitzer Willy Wonka in seiner
Schokoladenfabrik oder die Innenraumbegrünung
der Ferrari-Werkshallen.
Der Unterschied ist aber nicht nur der,
dass Bonsai in eine Schale gepflanzt werden
und Niwaki in einem Garten verpflanzt sind,
die Pflege ist ebenfalls anders.

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Da ein Bonsai mobil ist und zu Arbeiten
in die Werkstatt transportiert und im Sitzen
bearbeitet werden kann, ist man bei Niwaki
an die landschaftlichen Gegebenheiten
gebunden und braucht eventuell Leitern
oder muss sich durch das „Gebüsch“
schlängeln.
Bei Bonsai kann man eindeutig etwas
akkurater arbeiten als bei Niwaki, da die
gesamte Pflanze kleiner ist.
Gestalterisch unterscheiden sich Niwaki
und Bonsai auch teils, nichts desto trotz
kann man die Bonsai-Stile durchaus an
Niwaki gestalten, es ist nur eine Frage der
Technik, der Zeit und des Budgets. Doch
bleibt der Niwaki im Garten immer ein
NIWAKI, ein Landschafts- oder Gartenbaum.
Einen Niwaki in eine riesige Schale zu pflanzen
wie in einem Garten in Atami, Japan, ist
fragwürdig, sofern man sich nicht an die
bekannten Bonsairegeln hält.
Nun bleibt die Frage, was der Kunde
beim nächsten Baumschulbesuch kaufen
möchte und was der Verkäufer nun verkauft?
Äpfel sind ja auch keine Birnen, die
japanische Nashi mag ja aussehen wie ein
Apfel bleibt aber eine Birne.


TBJ

Bonsai = Einzahl = Niwaki
Bonsai = Mehrzahl = Niwaki

 

 

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