Bemerkenswerte Pflanzen in der Ackerbauschule (69)

Die Kornelkirsche, im Luxemburgischen Kierelter
genannt, soll eine bemerkenswerte Planze im LTA sein?
Um es gleich vorweg zu sagen: ja, der Kierelter ist aus
vielerlei Gründen eine äußerst bemerkenswerte Planze,
aber bei uns leider viel zu selten zu sehen.

Cornus mas ex Kaukasus LTA 151022 3

Die Kornelkirsche fällt vor allem durch die frühe gelbe Blüte auf, die
stets vor dem Laubaustrieb erfolgt; Blütezeit ist meist etwa Mitte
März, doch in diesem Jahr öffneten sie sich bereits Ende Januar.
Die Einzelblüte ist unscheinbar, doch sie steht in einem doldigen
Blütenstand zusammen mit vielen weiteren Blüten, wobei die
eigentliche Blüte von vier Tragblättern umgeben ist – auffallend ist
sie jedoch vor allem wegen der Fülle der Blüten, die am Strauch
erscheinen. Sie bieten wie die Weiden erste Nahrung für Bienen.
Nach der Blüte erscheinen die etwas glänzenden Blätter, die
kaum von Schädlingen befallen werden. Ab Sommermitte fallen dann
die zahlreich gebildeten kirschenähnlichen Früchte auf, die zwar
keine echten Kirschen sind, aber ebenfalls einen Steinkern aufweisen
und von leuchtend rotem Fruchtfleisch umgeben sind.
Diese „Kirschen“ bleiben lange hängen und sollten erst zur
Vollreife gepflückt werden, wenn sie sich dunkelrot verfärbt haben.
Man kann aus ihnen ein sehr leckeres Gelee herstellen, aber auch
Kompott oder Saft. Großfrüchtige Sorten wie 'Jolico' erleichtern
dabei die Ernte, denn die Früchte sollten von Hand abgelesen
werden.

Unbenannte Anlage 00055
Im Herbst schließlich verfärbt sich der Strauch früh in ein
geheimnisvolles Bordeauxrot und bringt erneut Farbe in den Garten.
Die Kornelkirsche erreicht in Luxemburg seine nördliche
natürliche Verbreitungsgrenze; weiter nördlich anzutreffende Pflanzen
sind wahrscheinlich schon vor langer Zeit angepflanzt worden, denn
nicht nur die Früchte wurden verwendet.

Diese Früchte sowie ein Auszug aus den Blättern galt u. a. als
Fiebersenkend, Hildegard von Bingen beschrieb sie im Mittelalter.
Bereits bei den Griechen und Römern war die Kornelkirsche der
wichtigste Lieferant für Lanzenholz. Bis zu 6 m lang waren die starken
Lanzenschäfte, die aus dem nicht schwimmbaren Holz, welches zu
den härtesten Hölzern europäischer Gehölze zählt, hergestellt wurden.
Ovid erzählt davon bereits in seinen „Metamorphosen“. Noch im
18.Jahrhundert nutze man das Holz, um daraus etwa die Zähne von
Mühlrädern herzustellen.
Im Garten ist die Pflanze, die in 20 Jahren 3-4 Meter hoch wird,
nicht nur als Solitär oder Wildfrucht geschätzt. Bereits in den Gärten
des 17. Jh. schnitt man exakte Hecken aus den sehr schnittverträglichen
Sträuchern. Dies ist bei uns fast völlig in Vergessenheit geraten
- man sollte ruhig einmal einen solchen Heckenversuch wagen; frühe
Blüte und verwertbare Früchte sind inklusive!
Ganz in der Nähe von uns gibt es übrigens das wohl
bemerkenswerteste Beispiel für die Zähigkeit, Langlebigkeit und
Schnittverträglichkeit der Kornelkirsche zu bestaunen. Ein 100 m
langer Laubengang auf dem „Areler Knippchen“, um 1750 gepflanzt,
hat dort seit nun 250 Jahren den Zeiten getrotzt – also auf nach Arlon
zur Blütezeit des Kierelter!
Text und Fotos: Eike Jablonski (LTA)

 

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