Kling fasst wie eine Krankheit, aber es handelt sich hier
nicht um einen medizinischen Befund. Vielmehr
beschreibt dieser Begriff die Zeit der Tulpenspekulationen
während der 1630er Jahren in den Niederlanden.
 
Semper Augustus Tulip 17th century
 
Die ersten Tulpenzwiebeln gelangten Mitte des 16. Jhdt. aus Persien
über die Türkei nach Wien und von dort aus in die Niederlande. Vor allem
Botaniker, Gelehrte und Hofgärtner kultivierten und erforschten die Tulpen,
fingen aber auch an, die ersten Zuchtarbeiten zu leisten.
Nach und nach gelangten die Tulpenzwiebeln in die privaten Gärten
und sie wurden zu Sammlerobjekten. Erst wurden Zwiebeln unter den
Liebhabern getauscht, gesammelt, vermehrt. Die Tulpen wurden immer
begehrter und so mancher Tulpenzüchter wurde sogar bestohlen.
Mit der Zeit entwickelte sich das Sammlerhobby zu einem eigenen
Geschäftszweig. Tulpenzwiebeln wurden gehandelt und verkauft. Vor allem
während der Sommermonate, wenn die Zwiebeln ausgegraben wurden,
fand der rege Handel dieser Tulpenzwiebeln statt.
Der Eifer der Händler, lies sich allerdings nach einer gewissen Zeit
nicht mehr nur auf die Sommermonate beschränken, sondern die findigen
Geschäftsmänner fingen an auch während der restlichen Zeit des Jahres
dem Handel nachzugehen. Die Zwiebeln welche sich noch in der Erde
befanden wurden verkauft. Allerdings konnte Niemand wirklich konkrete
Aussagen darüber treffen, wie viele Brutzwiebeln sich gebildet hatten, noch
konnte definitiv vorhergesagt werden welche Farbe die Blüte haben würde
und ob die gebildeten Zwiebeln überhaupt zur Blüte kommen würden.
In den 1630er Jahren wurde ein Preisanstieg bei den Tulpen bemerkbar
und die ersten Spekulanten stiegen in den Tulpenhandel ein mit dem einzigen
Ziel der Gewinnmaximierung. Es fanden zahlreiche „Leerverkäufe“
statt. 1637 begannen dann allerdings die Preise dramatisch zu fallen. Die
Spekulationsblase war geplatzt.
Die teuerste je verkaufte Tulpe trug den Namen „Semper Augustus“.
Für drei Zwiebeln dieser Sorte wurden 30 000 Gulden geboten. Zum Vergleich
kosteten die teuersten Häuser in Amsterdam zu dieser Zeit 10 000
Gulden.
Besonders beliebt waren die gesprenkelten, geflammten und gestreiften
Tulpen. Die gezielte Zucht dieser Exemplare gestaltete sich als äußerst
schwierig, weil nicht vorhersehbar war, ob die Tulpe gesprenkelt werden
würde oder nicht, wie die Farbänderung sich vollzog und ob überhaupt
eine stattfand. Erst 1920 fand man heraus dass die gesprenkelten Blütenblätter
durch eine Viruserkrankung, dem Tulpenmosaikvirus hervorgerufen
wurden. Alle befallenen Sorten sind in Folge dieser Erkenntnis zerstört
worden, sodass keine Sorte aus der Tulpenmanie-Zeit erhalten bleibt.
Dipl. Ing. der Landschaftsarchitektur Nadine Weirich
(Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Zum Seitenanfang